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« Keep It Wool »: Wolle im Dienst der Gletscher

Zwischen Juni und September 2026 wurden auf dem «Glacier 3000» in Les Diablerets zwei Prototypen von Abdeckungen aus Wolle installiert. Das in Zusammenarbeit mit der Universität Lausanne durchgeführte Projekt «Keep It Wool» soll klären, ob dieses natürliche und lokal produzierte Material die synthetischen Abdeckungen ersetzen kann, die teilweise eingesetzt werden, um die Gletscherschmelze zu verlangsamen.

Zwei Abdeckungen aus Wolle und eine synthetische Abdeckung wurden installiert, um ihre Wirksamkeit zu vergleichen / Summit Foundation

Am 22. Juni 2026 wurden nach mehreren Monaten der Forschung und Vorbereitung zwei Prototypen von Wolldecken mit einer Grösse von 10 x 10 Metern und zwei unterschiedlichen Materialstärken auf dem «Glacier 3000» in Les Diablerets im Kanton Waadt installiert. Um die Ergebnisse vergleichen zu können, wurde daneben eine Geotextil-Abdeckung gleicher Grösse angebracht.

Vielversprechende erste Ergebnisse

Bis September wurden alle zwei Wochen Messungen durchgeführt. Das Ziel? Herauszufinden, ob Wolle – ein natürliches, biologisch abbaubares und in der Schweiz produziertes Material – den Bedingungen im Hochgebirge standhält und ob sie dank ihrer isolierenden Eigenschaften Schnee und Eis vor der Sonneneinstrahlung schützt. In der Mitte der abgedeckten Flächen angebrachte Messstäbe ermöglichten es, das Abschmelzen von Schnee und Eis zu verfolgen.

Hier der Zustand der Abdeckungen Mitte August 2026. Die Abdeckungen werden mit gebrauchten Malzsäcken beschwert, die mit Kies gefüllt sind. | Zimy Da Kid/Summit Foundation
Nach einem Sommer, erste Beobachtungen zeigen, dass die beiden Wollabdeckungen einen vergleichbaren Schutz bieten wie die herkömmliche Geotextil-Abdeckung. Die erhobenen Daten müssen noch ausgewertet werden.

Alternative zu synthetischen Geotextilien

Die Idee für das Projekt entstand aus einer Ausstellung mit dem Titel «Gletscher unter Schutz» und 2025 in Vevey von Nathalie Dietschy, Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Lausanne, präsentiert wurde. Dabei wurde die Verwendung von Abdeckungen aus Polyester oder Polypropylen hinterfragt. Durch Wind, Niederschläge und Abnutzung können sich mit der Zeit Fasern lösen.¹Beim Zerfall setzen sie Mikroplastik frei, der Schnee, Eis und Berggewässer verunreinigt. Über den Wasserkreislauf können diese Partikel in die Nahrungskette gelangen.
Die Stiftung hat sich dafür entschieden, das Potenzial von Schafwolle als biologisch abbaubare Alternative zu synthetischen Geotextilien zu untersuchen. Dieses Material ist natürlich, erneuerbar, biologisch abbaubar, wird lokal produziert und verfügt über isolierende Eigenschaften. Heute wird geschätzt, dass bis zu 70 % der Schweizer Wolle vernichtet wird.² , da Schafe hauptsächlich wegen ihres Fleisches und ihrer Milch sowie zur Pflege von Grünflächen gehalten werden.

Ein vielversprechender Ansatz, aber keine Wunderlösung

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die Schweizer Gletscher fast 40 % ihrer Masse verloren.³, und fast 1'000 kleine Gletscher sind bereits vollständig verschwunden.Angesichts dieses Rückgangs werden seit rund zwanzig Jahren bestimmte Gletscherflächen im Sommer mit Geotextilien abgedeckt, um die lokale Schmelze zu verlangsamen. Indem sie einen Teil der Sonneneinstrahlung reflektieren und den Wärmeaustausch begrenzen, tragen diese Abdeckungen dazu bei, mehr Schnee und Eis zu erhalten.
Das Ziel des Projekts «Keep It Wool» ist klar: Wenn ein Schutz der Gletscher notwendig ist, sollen natürliche Materialien aus lokalen Wertschöpfungsketten eingesetzt werden. Heute decken Geotextilien rund 0,02 % der Oberfläche der Schweizer Gletscher ab und ermöglichen es, jährlich rund 300'000 m³ Schnee zu erhalten. Das ist wenig im Vergleich zu den fast einer Milliarde m³ Eis, die jedes Jahr verloren gehen.
In Les Diablerets wird bereits Snowfarming betrieben, also die Lagerung von Schnee über den Sommer für die Nutzung im Winter, wie hier unter den beiden grossen Abdeckungen. | Zimy Da Kid/Summit Foundation
Selbst in grossem Massstab würde dieser Ansatz nicht ausreichen, um das allmähliche Verschwinden der Gletscher infolge des Klimawandels aufzuhalten. Die Reduktion der Treibhausgasemissionen bleibt der wichtigste Hebel, um ihren Rückgang langfristig zu begrenzen.

Engmaschiges Netzwerk von Kooperationen

Das in Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Zentrum für Gebirgsforschung (CIRM) der Universität Lausanne (UNIL) durchgeführte Projekt umfasste zahlreiche Kooperationen: Die «Association filature de l’Avançon» ermöglichte Einblicke in die Wollbranche und half dabei, Kontakte zu knüpfen. Die Abdeckplanen wurden vom Unternehmen «Fisolan» hergestellt, «Glacier 3000» stellte sein Gebiet für das Experiment zur Verfügung, und die Forscher Mathias Huss und Mauro Fischer vom Schweizer Gletschermessnetz «Glamos» brachten ihre wissenschaftliche Expertise ein. Ein herzliches Dankeschön an Innosuisse, die das Projekt finanziell unterstützt hat.

Ein herzliches Dankeschön an Maxime Galley, Elliot Gaffiot, Jose Bastidas und Léonard Duloube, Masterstudierende im Bereich Tourismus und Geografie von Gebirgsräumen und -umwelten an der Universität Lausanne, die das Projekt vorantreiben und diese vorläufigen Ergebnisse ermöglicht haben.

Foto: Zimy Da Kid, Summit Foundation

QUELLEN

  1. « Textile glacier protection », texpertisenetwork.messefrankfurt.com, 13. Februar 2024.
  2. « Comment éviter que la laine suisse parte en fumée », 24 Heures, 24. Februar 2024.
  3. « Glaciers: future and effects », naturalsciences.ch, abgerufen am 31. August 2026.
  4. « 1,000 Swiss glaciers already gone, and the melting is speeding up », sciencedaily.com, 1er octobre 2025.
  5. « Quantifying the overall effect of artificial glacier melt reduction in Switzerland, 2005–2019 », sciencedirect.com, avril 2021.